Ernst Bloch (1885-1977)

Dieser Mann war eine Ikone der 68er und ist heute wohl ganz vergessen. Ganz vergessen? Nein! Eine kleine, schwäbische Stadt erinnert sich noch immer an diesen wunderbaren Denker. Die Stadt nennt sich Tübingen. Dort wirkte der aus der DDR geflüchtete Bloch von den 60er Jahren bis zu seinem Tod 1977. Er freundete sich in dieser Zeit auch mit dem Studentenführer Rudi Dutschke an - die Ikone der 68er in Deutschland.

Ernst Bloch ist ein spannender Philosoph, weil er einerseits einer der letzten großen Metaphysiker ist, andererseits allerdings sehr stark von Marx beeinflusst war. Man muss wissen, dass Marx ein Denker ist, den man gemeinhin als materialistisch bezeichnet. Und der Materialismus des 19. Jahrhunderts (auch wenn er kein physikalistischer, sondern ein historischer Materialismus) wollte die Metaphysik gänzlich überwinden. Marx wollte ja (so ein gefügeltes Wort), Hegel vom Kopf auf die Füße stellen.

Da fragt man sich dann: Hä? Wollte Bloch wieder einen Kopfstand machen und praktisch zurück zum idealistischen Hegel? Genau! Das wollte er wohl. Oder so ähnlich halt. So genau kenn' ich seine Theorie jetzt auch nicht. Auf jeden Fall verband er eine hochkommunistische Einstellung, die auf dem Materialismus und den Bedürfnissen der Menschen beruhte mit einer idealistischen Metaphyisk.

Man bekommt das wahrscheinlich zusammmen, wenn man sich seine bekannten Begriffkonstrukte "Das Prinzip Hoffnung" (auch Titel eines Buches) und "konkrete Utopie" zu Gemüte führt. Bloch ging es darum, die Tagträume des kleinen Mannes ernst zu nehmen und sie als Grundlage für eine politische Philosophie zu betrachten (oder so). "Hoffung", "Traum" und "Utopie" war bei ihm recht positiv besetzt. Wahrscheinlich meinte er damit weniger hochtrabende Wahnwitzigkeiten, sondern eher die kleinen alltäglichen Wünsche, die Grundlage für eine neue Art von Gesellschaft sein könnten. Er nahm also die Bedürfnisse der Menschen sehr ernst. (Bedürfnisse sind ja auch die Grundlage für eine Ökonomie.) Eine Gesellschaft, in der diese befriedigt sein würden, die wäre dann eine kommunistische. Eine Gesellschaft, in der sich jeder "heimisch" fühlen würde.

Jaja, Heimat ist auch so ein Begriff, den er den rechtsnationalen wegnehmen wollte und ins positive, sozialistische wenden wollte.

Insgesamt also ein cooler Philosoph. Leider hat er zu dicke Bücher geschrieben, weshalb ich nicht dazu komme, ihn komplett man zu lesen. Den Bloch.

Spuren findet man auf jeden Fall viele in Tübingen. Dort ist weiterhin eine der Forderung der Studentenschaft die Uni in Ernst-Bloch-Universität umzubenennen. (Ich fände das auch irgendwie cool.)